Krankenbesuche - Sick Bed Visits

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Schachbrettfalter - Melanargia galathea - Western Marbled White

Zu Ostern schrieb mir eine Frau aus Bern, sie würde mich am Samstag gerne besuchen. Ich freute mich, weil ich sie schätze und sie gerne ausserhalb des Vereins näher kennenlernen möchte. Andererseits hatte ich massive Schmerzen, konnte mich kaum bewegen und fühlte mich sozial unverträglich. Ausserdem war es kurz nach Thamiams zweitem Todestag – auch jetzt wieder, da ich das schreibe, im Hinterkopf die Frage: „Ist das wirklich wahr?“. Also schrieb ich ihr zunächst, ich könne ihr nicht viel versprechen, vielleicht Kaffee und Kuchen und einen Spaziergang – ich bin manchmal wirklich sehr optimistisch. Aber ich glaube, ohne diesen Optimismus und den Glauben oder das fast sichere Wissen, dass irgendwann alles mal gut wird, würde ich schon lange nicht mehr leben.

Jedenfalls ging es mit den Muskeln in der Woche täglich bergab, die starken Schmerzmittel wirkten nur zu einem kleinen Teil, es war zum Schreien. Am Freitag schrieb ich ihr, ich müsse absagen. Sie antwortete, es sei ok, wenn ich niemanden sehen möchte, aber falls sie etwas für mich tun könne, solle ich es sie wissen lassen. Auch kurzfristig. Ob sie mir was einkaufen könne, für mich kochen. So lieb.

Ich jedoch sass immer noch in meiner Höhle, fühlte mich nicht zumutbar und liess es so stehen. Dann, im Laufe des Samstagmorgen sah ich Szenen vor mir, wie ich neben meiner Mutter am Bett einer erkrankten Person sass. Das muss öfter passiert sein. Es waren verschiedene Personen und ich war verschieden alt.

Ja, klar! Es war fast wie eine Erleuchtung: früher hat manfraubär doch Krankenbesuche gemacht. Nicht nur, wenn Leute im Spital waren, nein, auch, wenn sie zu Hause im Bett lagen.

In dem Moment verschwand mein Gefühl der Unzumutbarkeit und ich schrieb ihr: „Liebe X, typisch, dass ich mich verkrieche, wenn es mir schlecht geht. Hilfe annehmen ist auch schwierig. Halleluja, ist doch zum davon rennen. Wenn eine denn könnte. …“.

(Heute würde ich schreiben: „Hilfe annehmen ist auch wieder schwierig.“ – Ich konnte es schon besser.)

Wie viele Menschen verkriechen sich, wenn es ihnen schlecht geht, während andere schon um Hilfe schreien, wenn sich ein Schnupfen erst anbahnt. Oder sie haben grundsätzlich eine Truppe von Menschen um sich rotierend, die jederzeit helfend einspringen, sobald die in der Mitte nur mit der kleinen Zeh wackelt. Das kanns doch nicht sein.

Nachdem ich ihr geschrieben hatte, dass ich ihren Besuch als Krankenbesuch sehe, war es auch nicht mehr wichtig, dass ich ausser dem Bad nichts hatte putzen können, seit ich wieder zu Hause war. Einkaufen, kochen, abwaschen. Mehr war nicht möglich.

Liebevolle Akzeptanz und Selbstfürsorge sind gerade die Themen. Und ein neues Freund*innennetz knüpfen. Letzteres konnte ich immer gut.

Wir verbrachten jedenfalls auf angenehme Weise Zeit miteinander. Einfach schön. Danke.

Am Sonntag gabs gleich nochmals Krankenbesuch. Meine Enkelin, die zusammen mit ihrem Schatz in Deutschland wohnt, kam mit ihm vorbei. Es ist einfach schön, die beiden zu sehen.

Anschliessend beschloss ich, mir Unterstützung durch die Spitex zu holen. Mit etwas Glück kommt noch diese Woche jemand für zwei Stunden vorbei. Und dann brauche ich noch Hilfe im Garten, da „explodiert“ zur Zeit alles und ich kann gerade knapp ein Kilogramm Gewicht halten. Das reicht nicht für Gartenarbeit im Frühjahr.

Letztes Jahr - Last year

At Easter, a woman from Berne wrote, she would like to visit me on Saturday. I was pleased, because I appreciate her and would like to get to know her better outside of the association. On the other hand, I had massive pain, could hardly move and felt socially incompatible. Moreover, it was shortly after Thamiam's second day of death - again, as I write this, in the back of my mind the question: "Is that really true?". So at first I wrote to her that I could not promise her much, maybe coffee and cake and a walk - sometimes I'm really very optimistic. But I believe that without this optimism and the belief, or almost certain knowledge, that everything will be fine one day or other, I would not live anymore.

Anyway, the muscles last week were deteriorating every day, the strong painkillers worked only a small part, it was enough to make you weep and scream. I wrote to her on Friday that I had to cancel. She replied that it was okay if I didn't want to see anyone, but if she could do something for me, I should let her know. Also in the short term. If she could buy something for me, cook for me ... So gentle and kind

Nevertheless, I still sat in my cave, felt socially incompatible and waited for a better moment. On Saturday morning in my memory, I saw scenes of me, sitting next to my mother on the bedside of a sick person. That must have happened more often. I remembered different persons in different years.

Yes, sure! It was almost like an illumination: in the past people made visits, when others for a longer time were sick. Not only when people were in the hospital, no, even when they were in bed at home.

At that moment, my sense of unreasonableness vanished, and I wrote to her: "Dear X, typical that I hide myself away, when I feel bad. To accept help also is difficult. Hallelujah, it makes you to run a mile. If one could.

(Today I would write: "Accepting help is again difficult." - There was a time, I did it better.)

How many people hide away thereselves, when they feel bad, while others scream for help, when a cold has not even started properly. And some have a group of people revolving around them, helping at any time, as soon as the person in the middle is wiggling only with the small toe. Should that be our reality? I don't think so.

After I've written to her, that I would treat her visit as a sick person's visit, it also was no longer important that I couldn't clean anything except the bathroom, since I was back home. Shopping, cooking, washing dishes. More than that was not possible.

Loving self-acceptance and self-care are the topics in these days. And make a new friend contacts. The latter I always succeeded well.

At any rate, we spent time together in a pleasant way. Just beautiful. Thank you.

On Sunday I got another sick bed visit. My granddaughter and her fiancé, who live in Germany, dropped in. It's really just nice to see them.

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Afterwards I decided to get support from the Spitex (home care in Switzerland). With luck, already this week someone will come by for two hours. And then I need help in the garden, because there "explodes" everything and I only can carry just about a kilogram. So I can not do this hard spring gardening right now.