Mit einem lachenden und einem weinenden Auge - Mixed Feelings                      Teil 2: Das weinende Auge

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Aussicht eines Walnussbaumes

Tage mit spazierengehen, Sonne geniessen, Herbstputz, schreiben, im Kontakt sein mit Freundinnen und auf und ab wegen eines weiteren Hashimotoschubs liegen hinter mir.

 

Weil ich nach der intensiven Twitterzeit vieles aufzuholen habe, habe ich beschlossen, dass ich bis Mitte November maximal eine Verabredung pro Woche treffen werde. Ich glaube, das ist ein guter Plan.

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Städtische Hecke
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Sonnenhut

Nochmals zu den fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und den gemischten Gefühlen zur Wiedergutmachungsinitiative bzw. hauptsächlich den Gegenvorschlag des Bundesrates, der letzte Woche vom Parlament angenommen wurde. Auch wenn es wunderbar ist, dass das Ziel Solidaritätsfond erreicht wurde und ab April 2017 überlebende Opfer eine Auszahlung von max. 25 000 Franken daraus erhalten werden:

 

  • so viele der Überlebenden sind in den vergangenen Jahren gestorben
  • eine echte Wiedergutmachung sind 25 000 Franken natürlich nicht. Das muss man klar sagen. Dieses Zugeständnis ist ein feines Zeichen, dass das Leid gesehen wird. Die Anerkennung von Unrecht allerdings müsste mit ungleich höheren Summen entschädigt werden.
  • Erben haben kein Anrecht auf die Auszahlung. Gleichgültig ob Vater oder Mutter diesen Frühling, letztes Jahr oder vor fünf Jahren gestorben sind. Ausnahme: Opfer der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen sterben nach dem 30. September 2016, also nach Inkrafttreten des Bundesgesetzes zum Solidarbeitrag AFZFG. In diesem Fall haben die Erben Anspruch auf den Solidarbeitrag.
  • die zweite Generation wird nicht berücksichtigt, obwohl viele von uns massive Schädigungen durch die Weitergabe der Traumata erlitten haben, u.a. extreme Gewalt durch Opfer der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. Z.B. sexualisierte Gewalt, Folter, Water Boarding ab Kleinkindalter durch Mutter, Grossmutter, Onkel.
  • eine Aufstockung der AHV ist seit längerem kein Thema mehr, obwohl dies im Betroffenenforum und am Runden Tisch von den Betroffenen begrüsst wurde. Dafür wäre eine Gesetzesänderung notwendig. In den letzten Tagen fiel mir auf, dass es still geworden ist um diese Massnahme. Da braucht es also nochmals  einen Anschub.
  • Sehr viele der Opfer haben nur eine Minimalrente und kein Vermögen, weil sie in ihrer Schulbildung gehindert wurden. Oft konnten sie keine Berufslehre machen – „Ah, da kommst du her! Nein, solche wollen wir nicht.“ – was zur Folge hat, dass ihnen bis zum Rentenalter bis zu 1,5 Millionen Schweizer Franken Erwerb durch qualifizierte Arbeit verlorengingen.
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Duftender Knöterich in der Abendsonne

Als Opfer der Fürsorgerischen Zwangsmassnahmen gelten:

  • Verdingkinder
  • Heimkinder
  • Kostkinder
  • Administrativ Versorgte
  • Zwangsadoptierte
  • Opfer der Kinderpsychiatrie
  • Mütter, die gedrängt und gezwungen wurden, ihre Kinder zur Adoption herzugeben
  • Zwangssterilisierte
  • Zwangskastrierte
  • Jenische und Sinti (Kinder der Landstrasse)
  • Spazzacamini
  • Opfer von Medikamentenversuchen in der Psychiatrie

 

 

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Gewöhnlicher Spindelstrauch, Euonymus europaeus, Pfaffenhütchen

Trotz allem, für schweizerische Verhältnisse und für so manche PolitikerInnen ist es schon ein Fortschritt, wenn Unrecht, welches einem Teil der finanziell schwächeren Bevölkerung angetan wurde, als Unrecht bezeichnet und vom Parlament ein Solidaritätsbeitrag gesprochen wird

(Der Solidaritätsbeitrag entspricht in etwa dem, was in der Wiedergutmachungsinitiative verlangt wurde, für die viele der Betroffenen Unterschriften sammelten.)

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge - Mixed Feelings

Copyright, AincaArt, Ainca Kira, Foto und Text, Writer, Photographer, Photography, Quersatz. Wiedergutmachungsinitiative, Gegenvorschlag Bundesrat,  AFZFG
Feier in Bern mit Betroffenen und UnterstützerInnen

Zur heutigen Schlussabstimmung im Parlament, welches den Gegenvorschlag des Bundesrates zur Wiedergutmachungsinitiative annahm, waren Betroffene und Unterstützerinnen zu einer Feier eingeladen.

 

Danke allen Betroffenen fürsorgerischer Zwangsmassnahmen, die mitgeholfen haben, das Ziel Solidaritätsfond zu erreichen.

Danke an Guido Fluri und an seine Stiftung.

 

Danke allen PolitikerInnen, die uns von Anfang an unterstützten und ebenso jenen, welche auf der Zielgeraden einen Sinneswandel vollzogen. Dank auch ans Sekretariat, den Delegierten der Bundesrätin und Frau Bundesrätin Sommaruga. Last but not least danke meinen Eltern, meinen Tanten und Onkeln, jenen, die versucht haben uns Kindern das Beste mit auf den Weg zu geben.

Über gemischte Gefühle möchte ich in den nächsten Tagen noch etwas schreiben.

On the occasion of final vote in Parliament today, which affirmed the counter-proposal of the Federal Council instead of the Reparation-Initiative, people concerned and supporters were invited to a celebration.

Thanks to all the people concerned by administrative social measures and forced fostering , who have helped to achieve the goal Solidarity Fund. Thanks to Guido Fluri and to the foundation.

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Bei der Übergabe der Sonderbriefmarke am 08.09.2016; in the middle Federal Councillor Sommaruga, on the right Lisa Brönnimann.

Thanks to all politicians who supported us from the very beginning and to those which during the past months made a change of heart. Thanks also to the Secretariat, the Delegate of the Federal Councillor and Federal Councillor Sommaruga.

Last but not least I thank my parents, my aunts and uncles, at least those, who tried to give the best advice they knew, who wanted the best for us.

About mixed feelings I intend to write in the next few days.

Etwas zerrupft, doch quicklebendig - SomewhatTorn to Bits, but Vitaly Alive

Ich zehre immer noch von den Erinnerungen an die Tage im Musikdorf Ernen.

Dieser kleine Kerl flatterte etwas zerrupft zwar, aber quicklebendig durchs Leben. Er hielt kaum lange genug still, kam aber immer näher. Fotografin Glückspilz.

I still feed myself on the memories of the days in the "Music Village" Ernen.

This little guy was fluttering torn to bits through life, but vitaly alive. He barely kept still long enough. But, lucky me, he came closer and closer.

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Binntal, Schwalbenschwanz, Dovetail, Papilio machaon
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Mehr Respekt - More Respect

Nachtrag zu gestern: Vergessen gingen Wasserpfanne und Weinflasche, weil ich auf Twitter den Amoklauf von München mitbekommen hatte und versuchte, mich zu informieren und gleichzeitig Falschmeldungen und gefakten Bildern etwas entgegenzusetzen. Ich finde es gleichermassen dumm, boshaft und gefährlich und tragisch, wenn Menschen einen Notfall missbrauchen um Polizei und Medien/Social Media in die Irre zu führen.

Addendum to yesterday: I forgot water pan and wine bottle because I had noticed on Twitter the amok of Munich and tried to find the right informations and simultaneously to let people know about hoaxes and fake images. I think, it's equally stupid, malicious, dangerous and tragic when people abuse an emergency to mislead police and media / social media

*****

Was mir derzeit heftig zu schaffen macht, sind die diversen infamen Versuche, die Anschläge in Westeuropa politisch auszuschlachten. Es macht mich sprachlos, wie schamlos und ohne Rücksicht auf die Opfer und ihre Familien manche sich verhalten.

What currently bother me are the various, nefarious attempts to exploit the attacks in Western Europe politically. It leaves me speechless, how shameless and without regard to the victims and their families some behave.

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Schwalbenschwanz, Dovetail, Papilio machaon,

Seelentröster - Consolation for our Souls

Neben all dem Schrecken und den hässlichen Begleiterscheinungen brauche ich Trost.

 

Apart from all the horrors and the ugly side effects I need consolation.

Meine Verluste seit gestern Abend sind im Vergleich zu denen anderer Menschen gering: Eine Flasche Weisswein, die ich kühlen wollte, statt dessen aber ins Gefrierfach legte und bis vorhin vergass. Und eine kleine Pfanne, in der ich gestern Wasser kochen wollte, woran ich mich auch erst wieder erinnerte, als das Wasser verdampft war.

My losses since last night are low compared to those of other people: A bottle of white wine that I wanted to cool, but instead put in the freezer and forgot till now. And a small pan in which I yesterday wanted to boil water, which I also reminded only when the water was evaporated.

Einfach nur schauen und staunen - Just look and be amazed

Ich fühlte mich beim Schauen sehr an ein Buch erinnert, das ich Anfang der 2000er las: Die 7 Töchter Evas von Bryan Sykes; Lübbe 2001. Bestimmt gibt es inzwischen aktuelleres. Aber dieses kann ich aus meinem Bücherregal ziehen :-)

It reminds me on a book I read in the early 2000s: The 7 daughters of Eve by Bryan Sykes. Certainly there are research results more up to date, but this is it, what I can take of my bookshelf.

Ein Schreibtisch-Baby - A Baby al desko

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Anthologie Femscript Basel, Grenzen

Von Donnerstag bis Sonntag finden die Solothurner Literaturtage statt.

Und ich will meine Freude mit dir teilen und gebe an dieser Stelle bekannt, dass seit Ende Februar 2016 zwei meiner Geschichten in der Anthologie des Femscript Schreibtisch Basel zum Thema "Grenzen" zu lesen sind.

Das Buch kann bestellt werden unter ISBN 978-3-7375-9096-9, im Netz als EBook und gerne über www.epubli.de, denn Amazon oder Buchhandel.de bezahlen leider keine Honorare an AutorInnen.

Tulpen, Tulips, Copyright, AincaArt, Ainca Kira, Foto und Text, Writer, Photographer, Photography, Quersatz

From Tuesday till Sunday Solothurner Literaturtage are taking place. And I want to share my joy with you and at this point would like to announce, that since February 2016 you can read two of my stories in the anthologie by Femscript Basle, titled "Grenzen".

 

 

 

 

 

Our book can be ordered by ISBN 978-3-7375-9096-9, in the internet as eBook and gladly from www.epubli.de because Amazon or Buchhandel.de unfortunately don't pay fees to authors.

Zum 8. März Internationaler Frauenkampftag

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Übrigens: Erinnerst du dich noch, wofür die Sonne als Symbol in der Schweiz mal stand?

 

By the way: Do you remember what the sun as a symbol in Switzerland once represented?

Nimm dir bitte ein wenig Zeit und lies den Beitrag italienischer Feministinnen zu den Ereignissen vor-während-nach Köln.

Please, take some time and read the text of Italian feminists on the events before-during-after Cologne.

Discorso delle femministe italiane in riferimento agli eventi prima-durante-dopo Colonia

Zu Unrecht eingesperrt - weil sie mit 17 schwanger wurde

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1971

 

Morgen abend ab 20:05 zeigt das Schweizer Fernsehen einen Spielfilm und anschliessend einen Dokumentarfilm.

 

Der Film “Lina” behandelt Aspekte der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in der Schweiz bis 1981 (das bedeutet allerdings nicht, dass es nicht auch nachher noch Fälle von illegalen Verwahrungen gegeben hätte).

 

Unter die Begrifflichkeit “Fürsorgerische Zwangsmassnahmen” zählen wir Verding- und Heimkinder, Zwangsadoptierte, Mütter, die zur Freigabe von Kindern zur Adoption gezwungen wurden, Medikamentenversuche an Heimkindern und Verwahrten, Zwangssterilisationen- und Kastrationen sowie das Auseinanderreissen von jenischen Familien - Pro Juventute “Kinder der Landstrasse” und der Verwahrung jenischer Kinder und Erwachsener in Heimen und/oder Erziehungsanstalten und Gefängnissen.

Wenn es dich interessiert, womit wir uns am Runden Tisch und am Betroffenenforum beschäftigen, findest du hier weitere Informationen

 

Zusammen mit anderen Betroffenen konnte ich den Film „Lina“ am letzten Sonntag auf Einladung des SRF in einem Kino in Zürich schon anschauen. Er ist wirklich gut gemacht und sehr, sehr berührend.

 

Betroffene möchte ich darauf aufmerksam machen, dass der Film triggern kann.

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So schauts aus

Eine Ergänzung zum gestrigen Eintrag. Das Interview zeigt die Hintergründe auf. - Danke für den Hinweis.

Offenbar haben Nazi-Kreise eine Gelegenheit genutzt um gegen ihn zu hetzen. Sie scheuten nicht davor zurück öffentlich erhältliches Video-Material zu fälschen.

 

Hier der Link zum Originalvideo von Samstag (Zeitlupe im unteren Video).

70 Jahre danach

WALK  IN  BEAUTY

Köln, Treibjagd gegen Journalisten, Fakes, Lügen, Nazi, Copyright, AincaArt, Ainca Kira, Foto und Text, Writer, Photographer, Photography, Quersatz
Ich habe die Daten durchgestrichen und das Gesicht verpixelt

Vorgestern nacht, kaum hatte ich beschlossen, den PC auszustellen, stiess ich auf Twitter auf den Account eines Rechtsradikalen, der zwei Menschen in einer grösseren deutschen Stadt drohend fragte, ob sie in dieser Nacht zu Hause seien. Sie dürften mit Besuch rechnen.

 

Kurz zuvor begegnete ich einem, der dazu aufrief, einen Journalisten zu belästigen, ihn anzurufen, ihm zu mailen.  Man stellte sein Foto und seine Adressdaten online. Ich versuchte herauszufinden, ob der Journalist davon schon wusste oder ob man ihn noch warnen konnte.

Was war passiert? Am Samstag fand in Köln eine Demo von Rechtsradikalen statt, die seitens der Polizei aufgelöst wurde, nachdem aus Demonstrantenreihen wiederholt Böller gegen Polizei und Presse geschossen worden waren.

Auf einem von Rechtsradikalen direkt nach der Demo eingestellten Video sah ich, dass ein Mann behauptete, einer der eben durch die Polizei rausgelassen worden sei, habe den Böller geworfen. Eine Polizistin antwortete: „Der habe einen Presseausweis gezeigt.“ Und: „Das haben wir doch nicht gewusst.“ Eine daneben stehende Frau rief darauf sofort: “ Wie? Die Presse schmeisst mit Böllern hier rum!“.

Auf einem anderen Video, das von einer Zeitung hochgeladen wurde, ist in der Zeitlupe zu erkennen, dass der Böller  (oder was es auch immer war) gegen Polizisten und Presse geschossen wurde. Einer der Journalisten, der da ausweichen musste war derjenige, der jetzt von Nazis gehetzt wird.

Also kann er mitnichten gleichzeitig der Täter sein. Trotzdem wird weiter gegen ihn gehetzt und gedroht.

Derzeit sind es hauptsächlich Presseleute, Migranten und Geflüchtete, Lesben und Schwule, Transgender.

Morgen die Juden und die Frauen, die nicht mit den Nazi schreien.

Nachdem wir als Gesellschaft über ein Jahr lang zugeschaut haben, wie Nazi immer dreister und gewalttätiger werden, ist es dringlich geworden aufzustehen und Widerstand zu leisten. Die eine in diesem Bereich, der andere in jenem. Je nach Fähigkeiten, Kraft, Gesundheit und Energie.

WALK  IN  BEAUTY

Ein Kind ist geboren. Die andere Geschichte - A Child is Born. The Other Story

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Foto UNHCR

Unterwegs ein Zug. Überfüllt. Mit geöffneten Fenstern. Lange ist es her, dass sie sich haben waschen können. Sind immer nur vorwärts gehastet. Manche schlafen, andere starren in die Landschaft. Schluchzen. Gelächter. Junge Männer spielen Karten. Ein Vater singt seinem Dreijährigen ein Wiegenlied, zwei Jungen tuscheln und kichern.

Alles durchdringend ein gellender Schrei. Eine junge Frau krümmt sich im Schmerz. Ältere werfen sich Blicke zu. Sitznachbarn rücken ab, schaffen Raum.

Als der Zug einfährt im Hauptbahnhof, ist das Kind geboren. Verbleibt zwei Tage dort unter Hunderten Menschen und Müllhaufen im Untergeschoss. Atmet, trinkt, kräht. Man lässt sie ziehen.

A train on its way. Crowded. With the windows wide open. It's long ago, that they had a possibility to wash. Only hastened. Forward. Forward. Some now are sleeping, others stare into the countryside. Sob. Laughter. Young men play cards. A father sings his baby a lullaby, two boys are whispering and giggling. All pervading a piercing scream. A young woman writhes in pain. Elders dart a glance at each other. Sitting next, sheer off from her, creating space.

When the train arrives at the main train station, the child is born. Remains there for two days among hundreds people and piles of garbage in the basement. Breathes, drinks, crows. Then they are allowed to continue on.

Geschrieben unter dem Eindruck der Ereigniss in Budapest Anfang September.

Written under the influence of events in Budapest in early September.

Ainca Kira

Relax

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Heute nachmittag setzte ich mich aufs Sofa und hörte Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2, zuerst gespielt von Hélène Grimaud, anschliessend von Vladimir Ashkenazy – den ich live übrigens das erste Mal Anfang 80er Jahre im Härdöpfuchäuer Schöftland hören konnte.

 

Währenddessen versuchte ich mich zu erinnern, womit ich meine freie Zeit vor Internet und Social Media verbracht hatte. Ab 1983 war ich alleinerziehende Mutter, holte auf dem zweiten Bildungsweg an der AKAD die Matura nach und studierte anschliessend Geschichte und Germanistik. Erstaunlicherweise hatte ich trotz allem Zeit um z.B. zwei Stunden Musik zu hören oder Hörspiele, welche öfters anderthalb Stunden dauern mochten.

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Die Zeiten waren damals bestimmt nicht besser. Doch als ich in den letzten Wochen beobachtete, wie ich immer öfter statt eine Pause zu machen und mich auszuruhen auf Twitter schaute, was es Neues gab, musste ich feststellen, dass es das ja nicht sein kann. Inzwischen bin ich mit mir selbst die Verpflichtung eingegangen, meine Pausen wieder entspannter zu gestalten.

Z.B. so

This afternoon I sat down on the sofa and listened to Rachmaninoff's Piano Concerto No. 2, first played by Hélène Grimaud, then by Vladimir Ashkenazy - whom btw. I heard live for the first time in the early 80s at the Härdöpfuchäuer Schöftland.

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Meanwhile I tried to remember how I spent my free time before internet and social media. In 1983 I was a single mother, completed on the second-chance education at AKAD successfully Matura and then studied history and German linguistics and literature. Amazingly, in spite of all these workings I regularly had the time to hear during two hours music or radio plays, which often took one and a half hours.

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While in the evening I was preparing the subject matters for the next day, to come down I was knitting even a sock or in the smaller output two children socks. With friends I wrote multipage letters. When it took three or four weeks until a response has come back, this was nothing unusual, and no one four days after the letter had been brought to the post office, thought that the others one didn't like no more or were upset by something because there was still no answer.

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Times then certainly weren't better. But when I noticed during the last few weeks, that instead of taking breaks and resting for a spell, I on Twitter looked after news, I had to realize that this could not be good for me.

 

Meanwhile I've made to myself the obligation to make my breaks again relaxed. For example with Rachmaninow, see video above with Hélène Grimaud.

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Chestnut's Blue Hour Dreams

Von einer, die auszog das Lachen zu finden

Ich bin so voll von all dem Schrecklichen, das derzeit in Europa Überhand zu nehmen droht, dass es mir ausserordentlich schwer fällt mich auf literarisches Schreiben zu konzentrieren. Ich verspüre grosse Mühe, manchmal auch Widerstand, mich darauf einzulassen. Das Leid der Geflüchteten, der Kampf gegen das Erstarken nationalsozialistischer Kräfte scheint so viel wichtiger. Und doch weiss ich, dass ich auf irgendeine Art schreiben muss, wenn ich meine Berufung, das Schreiben, wahr nehmen will.

Für den Moment also dies:

In meinen Ohren das ständige, dem Tinnitus ähnliche Rauschen, eine der vielen Folgeerscheinungen des Hashimoto, vermengt mit den Stimmen schweizerischer, europäischer Volksverhetzer, die mir in Radio und Fernsehen entgegenschlagen. Die Augen überreizt vom vielen starren auf die Twitter Timeline. In mein Gedächtnis eingebrannt Bilder von Gestrandeten und Ertrunkenen, von Steinmeeren in vormals blühenden syrischen Städten, von Naziaufmärschen mit genügend „Volk“, das sie begleitet oder vom Strassenrand her anfeuert; teilweise noch etwas unsicher und verschämt, aber doch öffentlich sichtbar ausgestreckte Arme mit nach unten gedrehten, angespannten Handflächen; Informationen, die vermuten lassen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Polizeicorps und ihrer Vorgesetzten die Rechtsradikalen schützt, agieren und agitieren lässt, bewusst erlaubt, dass sie schwer und über Jahrhunderte erkämpfte Ideale von Mitmenschlichkeit und Toleranz gegenüber anders Denkenden und anderer Lebensweisen erneut in den Boden stampfen. Fassungslosigkeit ob des hasserfüllten, ignoranten Habitus, der in die Medien gespült und wie Kot über uns ausgeschüttet wird. Ein rauchender Kopf von den zahllosen, pausenlos hereintickernden Nachrichten auf Twitter; ein Nebel, der meine Gedanken einhüllt, verhüllt, durchzieht, so dass ich mich bemühen muss, trotz Überdruss, sich wehrendem Magen und psychischer Erschöpfung meine Klarheit zu erhalten. Oft genug mein Körper ein einziges schmerzendes Herz, ein klagender Schrei.

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Ein Minimum an Entspannung dann, wenn es mir gelingt den Nachrichten ein, zwei Tage lang aus dem Weg zu gehen oder, entgegengesetzt, stundenlang Hintergrundinformationen zu lesen um mit vertieftem Wissen und mehr Überblick der Hilflosigkeit und der Ohnmachtsgefühle Herrin zu werden.

Wohltuende Entspannung dann, wenn ich mein Augenmerk bewusst auf Schönheit richte, sanfte oder zornerfüllte, bebende, bewegende Musik höre, Bilder und Fotos anschaue, die meine Seele trösten; wenn ich mich auf 140Zeichen-Texte und Karrikaturen konzentriere, die sich lustig machen über Rassisten, Fanatikerinnen und die Boshaftigkeit dieser Menschen, wenn ich mit anderen lachen kann über Witze und Cartoons. Lachen. Weinen. Zornerfüllt. Traurig. Atemlos. Verloren. Stark. Mutig. Verzweifelt. Singend. Zuversichtlich. Schnaubend. Bissig kommentierend.

Und immer wieder:                                                    Hinausziehen, die Schönheit und das Lachen zu finden.

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Dževad Karahasan, BuchBasel am 5. November
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Meral Kureishi, Elefanten im Garten an der Eröffnung der BuchBasel, am 5. November

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Th. nach der Eröffnung der BuchBasel
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Preisverleihung Schweizerischer Buchpreis, BuchBasel 8. November; 1. Preis an Monique Schwitter, Eins im Andern, vier 2. Preise an Ruth Schweikert, Meral Kureishi, Dana Grigorcea und Martin R. Dean,
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Fondation Beyeler, Riehen bei Basel
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Gerhard Richter, Birkenau, Fondatin Beyeler
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Kandinsky, Fondation Beyeler
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Nadeschda Udalzowa, Am Piano, Fondation Beyeler - die Unschärfe habe ich zu verantworten :)

                              Und die eigene Kreativität

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Rosmarie by AincaArt

  Und das tröstende Weinen mit dem kleinen Lachen darin

2011 in der Frauenkirche Dresden, Dirigent

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Would You Like a Cup of Tea - yes, hm, maybe, no, yes-no

Eine wunderbare Art über Zustimmung und Einvernehmen nachzudenken - What a wonderful way to think about consent and agreement

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Aktualität - Topicality

Nazis wittern Morgenluft - Nazis see their chance

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Foto li unten Fabian Schumann, aufgenommen in Deutschland/auf den drei anderen Nazis, li oben in Köln Ramona Covington (Kaiserslautern), re "Badger" Wilson, Quelle https://dokmz.wordpress.com/artikel/2014-2/npd-kaiserslautern-arischer-terror-auf-platz-3/

Die schweizerischen National- und Ständeratswahlen, die Krise der EU mitsamt ihrer nationalen Regierungen, deren Kämpfe für oder gegen Flüchtende, die grausigen Nazi-Angriffe auf alles, was unsere Welt freundlich und lebenswert macht, ihre rechten Unterstützer und die VolksverhetzerInnen, Kriegstreiber auf allen Seiten, die Arbeit zu den Fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in der Schweiz bis 1981 ... gelesen und geschrieben habe ich die letzten Tage und Wochen hauptsächlich auf Twitter (Link s. unten) und weiterführende Informationen.

 

HKNKRZ = Hakenkreuz = Swastika

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Foto Lovis

The elections for the National Council and Senate in Switzerland, the EU crisis with fights for or against refugees between the national governments, the most horrible nazi attacks on everything that makes our world friendly and worth living, their right-wing supporters and rabble-rousers, warmongers from all sides, the work on compulsory social measures in Switzerland till 1981... the last days and weeks I was writing and reading on Twitter (link see below) and being attentive to find additional informations.

Happy Coming Out Day

Happy Coming Out Day and PROTECTION and DIGNITY for PEOPLE who have to LIVE in homophobic countries.

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Nicht vergessen - Don't forget, you could be the next one

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Von Skinheads zusammengeschlagene Romni https://twitter.com/dROMaBlog/status/652786618273820672

Alle die irgendwie anders sind oder aussehen oder denken können zur Zielscheibe werden. Heute die Flüchtenden und die Roma, morgen Lesben und Schwule, eigenständig denkende und handelnde Frauen ... Männer, die nicht ins rigide Weltbild von Gewalt- und Hasstätern passen... Die Auflistung ist nicht vollzählig. Die Nächste, der Nächste kannst du sein.

 

Everyone, who is somehow different or looks different or thinks different can be the next target. Today the refugees and the Roma, tomorrow lesbian and gay people or independently thinking and acting women ... men who do not fit into the rigid world view of violence and hatred perpetrators ... The list is not complete. The next one can be: you

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"Wir sind das Volk" Ach, ja, wirklich? "We are the people" Oh, yeah, really?

Eigentlich wollte ich heute nochmals etwas Leichtigkeit in meinen Blog bringen und meinen Medizinbeutel öffnen. Doch nachdem ich folgendes Video sah, muss das warten. Ich kann nicht anders als den Link dazu einstellen. Markersdorf in Deutschland, Flüchtende müssen unter Polizeischutz zu ihrer Unterkunft gehen.

Refugges, Nazi, Germany, Deutschland, Copyright, AincaArt, Ainca Gautschi-Moser, Foto und Text, Writer, Photographer, Quersatz,
Photo AFP

Bleibt auch die Frage an die Polizei, warum sie Schutzbedürftige dermassen aussetzen. Gab es keine Möglichkeit, Menschen, die aus Kriegsgebieten zu uns nach Europa geflüchtet sind, die vielfach traumatisiert sind, in Autobussen in ihre Unterkunft zu bringen bzw. den Zugang von Nazis zu räumen?

Die Unverschämtheit, mit der Nazis und Rechtspopulisten in Deutschland "Wir sind das Volk" schreien und BürgerInnen und Bürger wie auch die Flüchtenden einzuschüchtern versuchen, verschlägt mir immer wieder mal kurz die Sprache. Ach, ja, beinahe hätte ich die applaudierenden MitläuferInnen am Rande vergessen. Ihr Klatschen und ihre Rufe sind Verhöhnung all dessen, wofür die DemonstrantInnen der Montagsdemonstrationen 1989/90 und die Politgefangenen in den Jahrzehnten zuvor gekämpft haben: Menschenwürde, Bürgerrechte, Reisefreiheit, Pressefreiheit usw.

Actually, I wanted to bring back some easiness in my blog and open my medicine bag with soothing things. But when I saw the video (link above), medicine bag must wait. I can't help, I've to put the link to it. It shows Markersdorf, a small village in Germany. This evening, fugitive hat do reach their accommodation under police protection. Nazis shouting "We are the people".

The impertinence with which Nazis and right-wing populists in Germany scream "Wir sind das Volk" (we are the people) and intimidate citizens as well as the refugees, leaves me speechless every now and then for some moments. Oh, I almost forgot the cheering followers in the margins. Their clapping and their bawling is nothing else than a mockery for what the demonstrators of the Monday demonstrations in 1989/90 and the political prisoners, who fought in previous decades: human dignity, civil rights, freedom of travel, freedom of the press, etc.

Remains the question to the police, why they expose vulnerable refugees to this mob? Was there no way to transport human beings in buses to their accommodations or to clear the access from Nazis before refugees arrive? Refugees, who had to flee from war zones to Europe, who often enough are traumatized!

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Magnus Wennman "Wo die Kinder schlafen" "Where the children sleep" http://www.huffingtonpost.de/2015/10/05/kinder-schlafen-magnus-wennman-opfer-syrienkrieg_n_8244712.html


These children, Ralia, 7, and Rahaf 13, had to flee from Damascus, now live in Beirut in the street. Rahaf says she is afraid of "bad guys", while she starts to cry.

Heute war wirklich ein Feiertag- This Day for sure is a Feast Day

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Morgens die wunderschöne Frau Mond in ihrem roten Kleid und nachmittags die Begegnung mit einer jungen Harfinistin am Rhein. Ich Glückliche.


In the morning the wonderful blood moon in her red dress and in the afternoon an encounter with a young harpist on the Rhine. Lucky me.

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